Dr. Josef Düllings

 

Im deutschen Gesundheitswesen erleben wir augenblicklich die Risiken und Nebenwirkungen einer Krankenhausfinanzierung, die diesen Namen nicht verdient. Mit ihrer abwartenden Haltung zur Strukturentwicklung und Investitionsfinanzierung laufen die Länder Gefahr, die Zukunft unserer Krankenhäuser zu verspielen. Vom neuen Gesundheitswirtschaftsgipfel DACH am 6. und 7.Mai in Friedrichshaben verspreche ich mir deshalb vor allem auch Input für die Gremien, die die Rahmenbedingungen unserer Gesundheitsversorgung abstecken.


Im Austausch mit unseren deutschsprachigen Nachbarn in Österreich, Liechtenstein und in der Schweiz werden wir zweifellos bessere und innovativere Lösungen finden als im begrenzten Horizont nationaler Betriebsblindheit. Die Gesundheitssysteme und auch der Digitalisierungsgrad in den DACH-Länder sind sehr unterschiedlich. Zu übernehmen, was bei den jeweils anderen besser läuft, offen zu kommunizieren und abzustellen, was nicht klappt, erspart es uns, knappe Ressourcen für die Entwicklung von Vorgehensweisen, Ideen und Tools auszugeben, die es anderswo längst gibt. Ich bin sicher: Die gebündelte Erfahrung aus allen DACH-Staaten wird uns darüber hinaus zu Vorgehensweisen und Modellen inspirieren, die wir augenblicklich noch gar nicht sehen. Dass wir uns hier über Landesgrenzen hinweg in unserer Muttersprache austauschen können, macht bei alledem - neben der wunderschönen Landschaft - den besonderen Charme des Dreiländerecks am Bodensee aus.


Der demografische Wandel wird die Gesundheitsdienstleister in den kommenden Jahren gesellschaftlich in eine sehr viel relevantere Position rücken, als das bisher der Fall ist. In dieser neuen Rolle brauchen wir aber auch Strategien, um die Babyboomer, immer später gebärende Mütter mit allen damit einhergehenden Risiken und sehr viel anspruchsvoller gewordene, vorinformierte und sich in der Position des Kunden sehende Patienten angemessen zu versorgen. Neben angemessen Organisationsformen und Finanzierungsmodellen müssen dazu vor allem auch neue Technologien schneller ihren Weg ins Krankenhaus finden.


Zentrale Themen werden in Friedrichshafen neben der Finanzierung die Digitalisierung und der Fachkräftemangel sein:


Digitalisierung kann nicht jedes Krankenhaus für sich allein bewerkstelligen. Bei dieser Mammutaufgabe müssen wir zusammenarbeiten, einheitliche Standards, Regeln und Strukturen erarbeiten.

Darüber hinaus werden wir in Friedrichshafen über langfristig tragfähige Versorgungsmodelle sprechen - für den ländlichen Raum und für Großstädte.

Die ambulante Notfallversorgung komplett den Krankenhäusern zu überlassen und endlich auch angemessen zu honorieren, könnte beispielweise die fehlenden Landärzte ersetzen und einer Entwicklung Rechnung tragen, die alle längst kennen: Immer mehr Menschen kommen mit ihren Alltagswehwehchen in die Notaufnahmen unserer Krankenhäuser, weil sie dort nicht auf einen Termin warten müssen und an 7 Tagen in der Woche rund um die Uhr versorgt werden.


Es gibt so Vieles, was in unserem Gesundheitswesen besser laufen könnte – oft ohne großen Aufwand. In Friedrichshafen wollen wir all das entdecken, um es in unseren Häusern umzusetzen. Ich freue mich auf den Austausch mit Ihnen.


Ihr Dr. Josef Düllings,

Präsident des Verbandes der Krankenhausdirektoren Deutschlands e.V. (VKD)