Horst Träger


Die Schließung von Hunderten von Krankenhäusern halte ich für falsch und überzogen. Laut einer Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung könnte die Versorgung der Patienten in Deutschland durch die Schließung von mehr als jedem zweiten Krankenhaus erheblich verbessert werden. Den herrschenden Pflegekollaps mit einer geringeren Anzahl an Krankenhäusern entgegenwirken zu wollen, nachdem die Politik hier Jahre geschlafen hat, ist geradezu grotesk. Dies gilt nicht nur für die Pflegekräfte, sondern auch für die Patienten. Weniger Kliniken bedeuten nicht weniger Patienten, sondern weniger Versorgung. Die Kollegen in den Krankenhäusern hätten allenfalls längere Anfahrtswege zu ihrer Arbeitsstelle. Über Themen wie zum Beispiel die Notfallversorgung und andere ist auch nicht weiter nachgedacht worden! Am Ende geht es ums Geld: Wie viel sind uns Gesundheit und Fortschritt uns wert?


Versuche, Fehlbelegungen abzubauen, gab es bereits vor 500 Jahren. Man kann dies in den Geschichten über Till Eulenspiegel nachlesen: "Ein Spitalmeister wäre einen Teil der kranken Menschen gerne losgeworden und hätte ihnen die Gesundheit wohl gegönnt. Deshalb ging er zu Eulenspiegel und sagte ihm Geld zu, wenn er den Kranken hülfe. Eulenspiegel war damit einverstanden. Da ging Eulenspiegel ins Spital, nahm zwei Knechte mit sich und fragte einen jeglichen Kranken, welches Gebrechen ihn plage. Darauf sagte er zu jedem einzelnen: »Wenn ich euch Kranken zur Gesundheit verhelfen und euch auf die Füße bringen soll, kann ich das nur so: Ich muss einen von euch zu Pulver verbrennen und dies den andern zu trinken geben. Das muss ich tun! Den Kränkesten von euch allen, der nicht gehen kann, werde ich zu Pulver verbrennen, damit ich den anderen damit helfen kann. Um euch alle zu wecken, werde ich den Spitalmeister nehmen, mich in die Tür des Spitals stellen und mit lauter Stimme rufen: "Wer da nicht krank ist, der komme sogleich heraus! Das verschlafe nicht! Denn der letzte muss die Zeche bezahlen.“ So sprach er zu jedem allein. Auf diese Rede gab jeglicher wohl acht. Und am angesagten Tage beeilten sie sich mit ihren kranken und lahmen Beinen, weil keiner der letzte sein wollte. Als Eulenspiegel nach seiner Ankündigung rief, begannen sie sofort zu laufen, darunter einige, die in zehn Jahren nicht aus dem Bett gekommen waren. Als das Spital nun ganz leer und die Kranken alle heraus waren, begehrte Eulenspiegel von dem Spitalmeister seinen Lohn und sagte, er müsse eilig in eine andere Gegend reisen. Da gab er ihm das Geld mit großem Dank, und Eulenspiegel ritt hinweg. Aber nach drei Tagen kamen die Kranken alle wieder und klagten über ihre Krankheit. Da merkte der Spitalmeister, dass er von Eulenspiegel betrogen war. Aber der war hinweg, und er konnte ihm nichts mehr antun. Also blieben die Kranken wieder wie zuvor im Spital, und das Geld war verloren".


Verlassen wir uns im Krankenhaus nicht auch viel zu oft auf zweifelhafte Berater, Nachfahren Till Eugenspiegels womöglich und auf nicht zu Ende gedachte Vorschläge? Wäre es nicht sinnvoller, viel öfter diejenigen zu fragen und zu Wort kommen zu lassen, die im Krankenhaus – in welcher Rolle auch immer - tagtäglich ihr Bestes für die Patienten und ihr Unternehmen geben? Sie zu fragen hieße, die Intelligenz der Vielen zu nutzen. Wir alle sollten uns die Gestaltungshoheit über unsere zukünftigen Arbeitsbedingungen und eine menschenwürdig effiziente Behandlung unserer Patienten nicht aus der Hand nehmen lassen. Auf den Austausch mit allen, die genauso denken, am 6. und 7.Mai in Friedrichshafen freue ich mich sehr.


Technik schafft eine neue Arbeitswelt
Modernste Großgeräte vorsorgt aus Installationen aus dem letzten Jahrtausend - das ist in vielen Häusern heute leider immer noch Realität. Die digitale Revolution im Krankenhaus bewegt sich auf einem sehr schmalen Grat. Im Vordergrund der Entwicklung zum Krankenhaus 4.0 steht die Vernetzung von patientenbezogenen Behandlungs- und Versorgungsprozessen. Was fehlt, ist die Betrachtung der gesamten Krankenhausinfrastruktur. Trotz hoher Investitionen in digitale Prozesse kommt in vielen Häusern ein wesentlicher Baustein für ihre Leistungsfähigkeit und Wirtschaftlichkeit zu kurz: die Krankenhaustechnik. So fehlen innovative Ideen und Lösungsansätze, mit denen der technische Betrieb von Krankenhäusern nachhaltig modernisiert und verbessert werden kann. Auf dem Weg zum digitalen Krankenhaus wird aktuell ausgerechnet die Krankenhaustechnik als wesentlicher Leistungsbaustein vernachlässigt. Verrückt, finden Sie nicht?
Technik wird der Arbeitswelt Krankenhaus in absehbarer Zeit jedoch einen ähnlichen Wandel bescheren wie in den letzten 100 Jahren. Alles wird mit allem vernetzt sein. Was man automatisieren kann, wird man automatisieren. Der GeWiG bietet uns die Möglichkeit, die Chancen und Risiken neuer Technologien für ein bestmögliches und nicht nur wirtschaftliches Genesen und Arbeiten im Krankenhaus berufsübergreifend und grenzüberschreitend zu diskutieren.

Sein Sie mit dabei! Nutzen Sie die Intelligenz der vielen!

Ihr Horst Träger
Präsident der Fachvereinigung Krankenhaustechnik e.V. (FKT)