Josef Aumayr


Anstatt Veränderungen nur über Kosten und Erfolgsfaktoren vom sogenannten grünen Tisch aus zu planen und damit möglicherweise bewährte und sinnvolle Strukturen zu zerschlagen, sollten wir uns im Gesundheitswesen öfter die grundlegende Frage stellen: Was läuft und was läuft nicht? Was gut läuft sollten wir ausbauen, was nicht läuft sehr viel entschiedener als bisher angehen. So einfach könnte Fortschritt sein.


Dabei über den Tellerrand unserer berufsspezifischen Denkmuster, Krankenhäuser und nationalen Gegebenheiten zu blicken, wird uns jede Menge „So kann es laufen“ liefern. Der Gesundheitswirtschaftsgipfel DACH am 6. und 7. Mai in Friedrichshafen erschließt uns dieses Potenzial.


Sehr gut laufen meines Erachtens in Österreich beispielsweise über Jahre gewachsene Kompetenzzentren. Dass diese durch die augenblickliche Neuordnung der Krankenhaustrukturen auseinandergerissen werden, ist für mich schwer nachvollziehbar. Besser laufen sollte zweifellos, wie wir unseren Patienten mit ihren Sorgen und Nöten begegnen. Damit sie sich in unseren Häusern gut aufgehoben fühlen, sollten wir ihnen von Anfang an das Gefühl von Sicherheit vermitteln. Vermutlich müssen wir dazu neue Berufsbilder schaffen. Organisations-, Dokumentation- oder IT-Assistenten könnten die Patienten auf ihrem Pfad durch das Krankenhaus begleiten, sie als Menschen abholen und gleichzeitig das medizinische Personal vom allseits beklagten zunehmenden Verwaltungsaufwand entlasten. Pfleger und Ärzte könnten sich so wieder auf ihre ursprünglichen Aufgaben konzentrieren, was angesichts des Fachkräftemangels in diesem Bereich absolut angesagt wäre. Dieses Beispiel zeigt: Wir müssen Kapazitäten dort schaffen, wo sie tatsächlich fehlen. Prozesse müssen dazu in vielen Bereichen völlig neu organisiert werden. Darüber hinaus sollten wir endlich ernst nehmen, dass ein großer Teil der behandlungsbedürftigen Menschen chronisch krank ist, und nicht nur den Akutfall organisieren.


All das und unser ungebrochen hoher Qualitätsanspruch setzen eine angemessene Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter im Krankenhaus voraus. Der Österreichische Verband der KrankenhaustechnikerInnen (ÖVKT) bietet dafür seit vielen Jahren ein maßgeschneidertes Angebot: von Schulungen der Krankenhaustechniker in der Werkstattebene über regelmäßige Tagungen für Technikmanager bis hin zum berufsbegleitenden Masterstudiengang Management für Technik im Gesundheitswesen. Wie sehr der medizinische Betrieb von einer gut laufenden Technik abhängt, ist vielen Krankenhausmitarbeitern nicht bewusst. Ich hoffe sehr, dass uns der GeWiG DACH hilft, die Bedeutung und Möglichkeiten eines jeden Zahnrädchens im Großen und Ganzen der Gesundheitsversorgung besser zu verstehen und zu ermessen. Nur so können wir es optimal für gemeinsame zukunftsfähige Lösungen nutzen.


Ihr Josef Aumayr
Past-Vizepräsident des Österreichischen Verbandes der KrankenhaustechikerInnen (ÖVKT)