MLaw Rolf Gilgen


Die Player in den Gesundheitssystemen der Schweiz, Deutschlands, Österreichs und Liechtensteins stehen alle vor den gleichen Problemen und Herausforderungen, haben bei den vielfältigen Aufgabenstellungen jedoch unterschiedliche Stadien der Bewältigung erreicht. Unser Wissen und unsere Erfahrungen auf dem Gesundheitswirtschaftsgipfel DACH am 6. und 7. Mai in Friedrichshafen zusammenzuführen, ist für mich ein echter Mehrwert. In jedem Land gibt es etwas, das besser läuft als bei den anderen.


In den letzten zehn Jahren sind die Gesundheitskosten in der Schweiz von 55 Mrd. Schweizer Franken auf aktuell 80 Mrd. Euro gestiegen. Dass das so nicht weitergehen kann, ist allen klar. Die Politik reagiert darauf aktuell mit einer Überreglementierung, die in unseren Häusern abzubilden enormen Druck erzeugt. Um Kosten zu sparen gibt es bei uns beispielsweise klare, sehr weitgehende Regelungen dafür, welche Leistungen künftig nur noch ambulant durchgeführt werden dürfen.  Mindestfallzahlen, der drohende Verlust des Leistungsauftrags, Tarifdiskussionen und die geforderte Kooperation der Krankenhäuser untereinander erzeugen Unsicherheit und Zukunftsängste. Unsere deutschen Partner stehen schon länger als wir unter diesem im Gesundheitswesen herausfordernden Wirtschaftlichkeitsdiktat. Sicher können wir hier einiges voneinander lernen.   


Weit fortgeschritten ist in der Schweiz dagegen das Thema Lean Management. Dazu ein Beispiel: Um unsere Notaufnahmen von Patienten zu entlasten, die eigentlich ein Fall für den Hausarzt wären, leisten niedergelassene Ärzte in der Schweiz ihre Notfalldienste schon seit vielen Jahren in den Kliniken in so genannten Notfallpraxen ab. Das ermöglicht eine effiziente und adäquate Behandlung aller Notfallpatienten und sichert den Niedergelassenen zusätzliche Einnahmen sowie ein optimales Arbeitsumfeld – eine Win-Win-Win-Situation für alle Beteiligten und damit ein Modell, das im gesamten deutschsprachigen Raum Schule machen könnte. Auch Österreich geht hier mit seinen Primärversorgungseinheiten neue interessante Wege. Ich freue mich auf den Blick über den nationalen Tellerrand in Friedrichshafen.


Weitere Aufgaben, für die wir im großen länder- und berufsgruppenübergreifenden Kontext zweifellos intelligentere Lösungen finden, sind der Fachkräftemangel, eine schnellere Einführung neuer Technologien im Gesundheitswesen, die Definition und Überwachung von Qualität, eine reibungslose Verzahnung stationärer und spitalexterner Leistungsträger, wohnortnahe Versorgung und vieles mehr.  Dass wir uns darüber in unserer Muttersprache austauschen können und dennoch unterschiedliche Denkweisen und Lösungsansätze mitbringen, wird uns – da bin ich ganz sicher – völlig neue Wege eröffnen.


Ihr Rolf Gilgen
Präsident der Schweizerischen Vereinigung der Spitaldirektorinnen und Spitaldirektoren SVS