Prof. Axel Olaf Kern


Das sprichwörtliche Rad für sich allein im stillen Kämmerlein erfinden zu wollen, ist angesichts des enormen technischen, organisatorischen und strukturellen Veränderungsprozesses, vor dem unsere Gesundheitswesen stehen, wenig erfolgversprechend und auf keinen Fall ökonomisch. Wir brauchen schlüssige Konzepte und Strategien für den Umgang mit sich drastisch ändernden Rahmenbedingungen. Gemeinsam werden wir bessere Lösungen finden.


Die Gesundheitsversorgung in der Schweiz, in Österreich, in Liechtenstein und in Deutschland steht aufgrund demographischer Veränderungen und völlig neuer technischer Möglichkeiten vor großen Herausforderungen. Diese schreien geradezu nach beherztem und vor allen Dingen entscheidungsfreudigem Handeln. Die Akteure im Gesundheitswesen in allen Bodenseeanrainerstaaten sind prädestiniert, ihre Ideen, Gedanken und Erfahrungen für eine bessere Gesundheitsversorgung auszutauschen. Hierbei ist der große Vorteil, dass wir alle die gleiche Sprache sprechen, was unsere gemeinsame Arbeit enorm erleichtert. Zugleich können wir voneinander viel lernen, da in unseren Ländern unterschiedliche Denkweisen und Perspektiven etabliert sind. So kommen wir auf neue Ansätze, um innovative Versorgungslösungen für die Beteiligten im Gesundheitswesen, insbesondere die Versicherten, Patienten und Bürger zu gestalten.


Der DACH-Gesundheitswirtschaftsgipfel (GeWiG-DACH) am 6. und 7. Mai 2020 in Friedrichshafen bietet eine Plattform für diesen Austausch. Auf dem GeWiG-DACH geht es sowohl um gegenseitige Inspiration hinsichtlich der Versorgungskonzepte, die in den Ländern bereits erfolgreich gelebt werden, als auch um das Entwickeln von Ideen und Lösungen für die zukünftigen Herausforderungen im Gesundheitswesen. Sich dabei von Überlegungen und Innovationsleistung anregen zu lassen, die über die nationalen Entwicklungen hinausgehen, wird uns zu besseren Ergebnissen führen. Unsere Teilnehmer werden diese in Form von umsetzbaren und praktikablen Handlungsempfehlungen für sich mit nach Hause nehmen.


Insbesondere innovative technische Lösungen, heutzutage platt als „Digitalisierung des Gesundheitswesens“ bezeichnet, sind für die Gesundheitsversorgung wie in allen anderen Bereichen der Wirtschaft von zentraler Bedeutung. Infolge der zurückgehenden Zahl an Beschäftigten im Gesundheitssektor müssen technische Lösungen, die über die Verwaltung von Daten deutlich hinausgehen, möglichst schnell marktreif verfügbar sein. Dazu zählen smarte Technologien, die uns helfen müssen, Versicherte und Patienten möglichst lange selbstständig sein zu lassen. Erstberatungen im Internet, wie in der Schweiz schon lange bewährt, sind inzwischen auch in Deutschland und Österreich gangbar. Dadurch können Notaufnahmen entlastet und fehlende Haus- und Fachärzte ersetzt werden.


Wir müssen weiter und out-of-the-box denken: Wie kann beispielsweise der Transport von Patienten zukünftig, wenn nicht mehr genug Personal im Rettungswesen zur Verfügung steht, mit technischen Hilfsmitteln gestaltet werden? Werden mobile Versorgungszentren, wie sie die Bundeswehr heute schon nutzt, fehlende Arztkapazitäten in ländlichen Räumen ersetzen können? Wie können wir Krankenversicherung bezahlbar organisieren und den Leistungsanspruch für alle Bürger effizient sicherstellen? Hierzu gibt es in unseren deutschsprachigen Ländern bereits Lösungen und viele Konzepte, die allerdings oftmals noch nicht für alle Menschen zur Verfügung stehen und selbst Fachleuten nicht bekannt sind. GeWiG-DACH ist dafür gedacht, diese Lücken zu schließen.


In Friedrichshafen möchten wir – unabhängig von Ihrer Rolle im Gesundheitswesen – gemeinsam mit Ihnen und Ihren Fachkollegen diskutieren, wie moderne und zukunftsgerichtete Gesundheitsversorgung unter Einbeziehung bereits bestehender technischer Lösungen patientenorientiert gestaltet werden kann. Neben Etabliertem und Bekanntem schaffen wir auf dem GeWiG-DACH vor allen Dingen neuen, bisher wenig gehörten Stimmen und Vorschlägen ein Forum. Der Blick in die Zukunft und auf das Potenzial innovativer Vorgehensweisen und Wege bildet die Grundlage unseres Kongresses mit gesammeltem Wissen und gebündelter Lösungskompetenz aus der Schweiz, Österreich, Liechtenstein und Deutschland.


Aufgrund meiner Erfahrungen in der DACH-Region ist es von unschätzbarem Vorteil für alle Beteiligten, diesen Austausch der deutschsprachigen Gesundheitswirtschaft zu nutzen. Durch den direkten Kontakt mit Fachkollegen aus Ihren Nachbarländern werden Sie Anregungen erhalten, die Ihnen neue Handlungsoptionen und -modelle bieten. Nutzen Sie diesen Austausch für sich, für Ihr Unternehmen und auch für Ihre Mitarbeiter sowie Kunden, um die Versorgungsqualität auch zukünftig für alle Bürger bestmöglich sicherstellen zu können.

Wir freuen uns sehr darauf, Sie in Friedrichshafen begrüßen zu können.

Mit sehr herzlichen Grüßen
Axel Olaf Kern